Tipps von Investorin Katharina Neuhaus (Vorwerk Ventures)

Das exklusive Pitch-Event Cashwalk ist nicht nur eine Veranstaltung für Startups. InvestorInnen erleben handverlesene Startup-Pitches und finden neue Investitionsmöglichkeiten. Nach den 3-Minuten-Pitches, haben GründerInnen und InvestorInnen genügend Zeit für einen detaillierten Austausch und das Knüpfen neuer Kontakte. Am Ende bewertet eine Expertenjury den besten Pitch.

Katharina Neuhaus von Vorwerk Ventures ist seit mehreren Jahren Mitglied in der Jury von Cashwalk. Sie gibt uns einen Einblick in die Veranstaltung als eine Investorin, was sie daran am meisten schätzt, wonach InvestorInnen Ausschau halten und gibt den pitchenden GründerInnen ein paar Tips.

Hallo Katharina! Du bist eine Investorin – kannst du uns deine Rolle genauer beschreiben?

Vorwerk Ventures ist ein unabhängiger, Venture-Capital-Fund mit 150 Millionen Euro Investmentkapital und Sitz in Berlin. Der Fund fokussiert sich auf frühphasige Startups im B2C-Bereich. Wir lieben Unternehmen mit Geschäftsideen, die uns stärken, das Leben verbessern und gesünder gestalten.

Stell dich doch bitte kurz vor: Was hast du bisher alles gemacht und auf welche Themen konzentrierst du dich in deiner Arbeit?

Meine Karriere habe ich als Unternehmensberaterin bei AlixPartners begonnen, wo ich private Eigenkapitalkunden unterstützt habe, ihr Portfolio zu optimieren. Ich wollte unbedingt in einem zukunfts- und wachstumsorientierten Ökosystem arbeiten und habe mich daher entschieden, zu Lyst zu wechseln und dort als Country Manager für die DACH-Region zu arbeiten.

Jetzt bin ich Principal bei Vorwerk Ventures, wo mir mein Wissen und meine Erfahrungen mit Startups und in der Unternehmensberatung sehr zu Gute kommen. Ich liebe es mit innovativen Startups und talentierten GründerInnen zu arbeiten und meine große Leidenschaft ist alles, was mit Digital Health und Future of Work als auch Commerce zu tun hat.

Neue Technologien und Innovationen in diesen Bereichen haben das Potential, unser Leben nachhaltig zu verbessern. Mein Ziel ist es, innovative Lösungen einem breiten Publikum zugänglich zu machen, in dem ich Geschäftsideen unterstütze, die das Leben einfacher und effizienter machen sowie uns bestärken.

Du bist zum wiederholten Mal Jury-Mitglied bei Cashwalk. Warum ist das Event für dich wichtig? Was macht es für dich zu etwas Besonderem?

Die Veranstaltung ist sehr gut organisiert und ein großartiger Ort, um mit talentierten Gründern mit unterschiedlichem Hintergrund in Kontakt zu treten. Die Liste der Alumni und die Erfolgsbilanz sprechen für sich: Einige der früheren Teilnehmer haben in den letzten Jahren große Investitionen getätigt. Alle Beteiligten sind sehr engagiert und enthusiastisch, was das Venture-Ökosystem angeht. Es ist immer ein großartiger Ort, um verschiedene Perspektiven zu hören.

Aus deiner Perspektive: Was sind häufige Fehler, wenn Startups vor einer Investorin oder einem Investor pitchen?

Im Gegensatz zu unserer Intuition müssen Gründer beim Aufbau eines Unternehmens nicht alle Antworten auf jede Frage kennen. 

Viel wichtiger ist es, dass sie eine klare Vorstellung davon haben, wohin die Reise gehen soll und dass sie genau wissen, welche Art von Team sie zusammenstellen müssen, um diese Fragen beantworten zu können. Eine genaue Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen ist unerlässlich und trennt die Spreu vom Weizen. Schließlich ist es eine Teamleistung.  

Außerdem sollten Gründer sich nicht zuerst auf Geld konzentrieren. Geld ist auf dem Markt genug vorhanden. Stattdessen sollten sie nach den richtigen Investitionspartnern Ausschau halten, die ihre Ideen wirklich beschleunigen und ihnen helfen können, die nächsten Meilensteine zu erreichen.

Wonach sollte eine Investorin oder ein Investor in einem Startup suchen? Was sind absolute No-Gos?

Aus meiner Sicht sind vor allem in einer sehr frühen Phase die Schlüsselfaktoren das Team und der Markt, den das Produkt oder die Dienstleistung anspricht. 

Je früher VCs investieren, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich das Produkt im Laufe der Zeit verändern wird. Daher sollten sich die Investoren auf die Bewertung der Gründer und des Marktes oder des Problems, das sie identifiziert haben, konzentrieren. Sind die Gründer visionär und belastbar genug? Und sind sie in der Lage, Talente anzuziehen und zu halten? 

Je reifer das Unternehmen ist, desto mehr Daten stehen natürlich zur Verfügung, um die zu Beginn getroffenen Annahmen zu verifizieren. Ich persönlich glaube, dass es keine feste Checkliste gibt, um einen Gründer oder ein Startup zu bewerten. Es handelt sich um ein Geschäft mit besonderen Ideen und deshalb muss man versuchen, jede Gelegenheit mit einem unvoreingenommenen und frischen Blick zu prüfen. 

Hast du einen Rat für die Startups bei Cashwalk, die auf der Bühne pitchen werden?

Nehmt Feedback nicht persönlich, sondern betrachtet es immer als wertvollen Beitrag, der euch besser macht. Seid bei der Präsentation eurer Idee authentisch und versucht nicht, etwas zu sein, was ihr nicht seid. Meine Erfahrung im Startup-Ökosystem ist, dass alle gerne unterstützen, wo immer sie können. 

Wenn ich nervös bin, konzentriere ich mich auf langsames Atmen und verinnerliche drei Schlüsselbotschaften, die ich dem Publikum mit auf den Weg geben möchte. Dann gestalte ich eine Geschichte rund um diese drei Aspekte und baue sie in meine Präsentation ein. Das hat mir immer am meisten geholfen.

Mehr Tipps und Tricks für ein gelungenes Pitch Deck und eine gute Präsentation findet ihr in unserem Pitch Deck Guide!

Wir würden gerne mehr Frauen – Gründerinnen und Investorinnen – bei Cashwalk begrüßen. Woran denkst du liegt es, dass sich so wenig Frauen bewerben und wie können wir sie noch mehr ermutigen?

Meiner Meinung nach gibt es zwei wichtige Aspekte bei dieser komplexen Frage: 

Zum einen beginnt die Förderung von Gründerinnen und Investorinnen mit der Bildung. Frauen sollten bereits in der Schule oder an der Universität lernen, wie sie selbstbewusst Unternehmerin oder Investorin werden können. 

Es gibt bereits viele Frauen im Ökosystem und es erscheint mir fast als Pflicht, in Dialog mit weniger erfahrenen Frauen zu treten, um ihnen mehr über die aufregende Welt der Venture Capitalists zu erzählen und sie ermutigen, Teil davon zu werden.

Unsere KollegInnen von German Accelerator haben sich noch mehr mit Herausforderungen für Gründerinnen beschäftigt, wie zum Beispiel Implicit Bias in the VC world.

Andererseits brauchen wir mehr politische und rechtliche Initiativen. Ich glaube nicht, dass sich das derzeitige Umfeld ohne die richtigen Vorschriften drastisch ändern wird, und ich schäme mich, dass wir sie im 21. Jahrhundert überhaupt brauchen.

Glücklicherweise glaube ich, dass die nächste Generation von Frauen nicht mehr auf Vorschriften angewiesen sein wird und die volle Gleichberechtigung das Fundament unserer Gesellschaft sein wird. 

 

Vielen Dank für deinen wertvollen Einblick, Katharina!

Für alle InvestorInnen, die auf der Suche nach neuen Investmentmöglichkeiten sind:
Cashwalk findet am 3. Mai in München und 10. Mai in Berlin statt!